Rauchen und Raucher im 20 Jahrhundert
Rauchen ist bereits seit einigen Tausend Jahren fester Bestandteil der Genusskultur des Menschen.
Im Gegensatz zu heute diente es dabei nicht immer nur zum puren Zeitvertreib bzw. der reinen Suchtbefriedigung, sondern war in vielen indigenen Zivilisationen ein wichtiges religiöses Element. So brachten beispielsweise die Inkas neben häufig zum Schafott geführten Todesopfern auch oft “nur” ein simples Rauchopfer da mit dem die hiesigen Gottheiten beschworen oder angebetet werden sollten. Auch für die Indianer Nordamerikas spielte das Rauchen eine wichtige Rolle wenn sie Rituale durchführten. Gleich ob Manitou gehuldigt wurde um ihn gegen die anhaltende Dürre milde zu stimmen oder aber bei der Besiegelung von Friedensverträgen – das Kalumet kam fast immer zum Einsatz und verhalf dem Rauchen als solches zu einem wichtigen historischen Symbolgut der Menschheit. Ab dem späten Mittelalter fing der blaue Dunst an sich auch hinüber in die alte Welt zu verteilen. Von Dekade zu Dekade stieg dessen Beliebtheit- aber nur allmählich, denn Tabak war aufgrund des langen Importweges sehr lange Zeit immer noch fast ein Luxusprodukt. Mit dem wachsenden Wohlstand, bedingt durch Kolonialisierung und Industrialisierung wurde Tabak mehr und mehr auch für weniger Betuchte halbwegs erschwinglich und reüssierte circa ab Mitte des neunzehnten Jahrhunderts zu einem normalen, für Jedermann verfügbaren, Bedarfsgegenstand des Volkes.
Freilich wurde auch schon zu Zweiten der Inkahochkultur sehr viel geraucht um den Tabakdunst einfach nur zu genießen. Die körperliche Konstitution für das indianische Suchtpotential in jenem Zeitalter war sehr ähnlich ausgeprägt wie heute. Da waren Inkas und Indianer nicht weniger konsumanfällig als wir in der Gegenwart.
Nichtsdestotrotz scheint sich, zumindest in Deutschland, ein Wandel in der Einstellung zum Rauchen zu vollziehen. Das Sprichwort aus der Überschrift ist sicherlich jedem bekannt. Ursprünglich bedeutet es einfach die Versinnbildlichung zweier Ereignisse oder Zustände, die wegen ihrer inhaltlichen logischen Verknüpfung unmittelbar auf einander folgen. Sieht man es in dem historischen Zusammenhang der Einleitung könnte es auch zynisch auf die verbrannten Menschenopfer der Inkas anspielen. Übertragen auf die Nikotinthematik, denn sie ist das charakteristische Detail des Rauchens, kann das Wort ´Feuer` aber auch für Gefahr stehen: ´Wer raucht, lebt gefährlich´.
Natürlich enthält es auch diese heutige Gesellschaft immer noch recht viele Raucher, diesem sowohl subjektiven- als auch durch Statistiken objektiv bestätigten Eindruck kann man sich nicht verschließen.
Beide Eindrücke ergeben sich aber auch für einen stetigen zahlenmäßigen Rückgang innerhalb der Raucherfraktion.
Retrospektiv gesehen gab es vor allem in den Siebziger und Achtziger Jahren sehr viele die zur Zigarette griffen. Während und unmittelbar nach den beiden Weltkriegen kehrte sich der Status Quo einer Kippe wieder um zu einem Konsumgut für Privilegierte, war sogar fast in eine eigen Währung transformiert worden. Man erinnere sich an die alliierten Militärs, die oft Zigarettenstangen gegen irgendetwas tauschten.
Mit der Wohlstandverbesserung dank des Deutschen Wirtschaftswunders konnte jedoch der Wert einer Zigarette bis Ende der Sechziger Jahre wieder in eine normale Preislage re-inflationiert werden.
Schließlich boomte der Sargnagel in den bereits erwähnten zwei Jahrzehnten regelrecht.
Auch wenn die Zigarette bis dato zwar nie verpönt war, wurde der Zustand der Salonfähigkeit emporgehoben in den Trendolymp. Es war jetzt sehr chic zu qualmen und speziell bei Jüngeren wurde es vor allem auf Partys und in Diskotheken zur Pflicht, den Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand möglichst nie lange ungespreizt zu halten.
Auf den Straßen und in den Haushalten der Republik wurde gedampft wie nie zuvor und zwar so oft und soviel, dass die Feuerwehren in deutschen Kommunen nicht selten umsonst ausrücken mussten.
Das Fernsehen ging mit gutem Beispiel voran und förderte mit seiner Raucherzone in Talkshows die Envoguehaftigkeit von Nikotin und Kondensat. Nicht nur die Zuschauer im Studio dürfen zu Reval oder Ernte23 greifen, auch die Talkgäste lassen sich nicht lumpen, öffentlich ihrer äußerst lungenzuträglichen Leidenschaft zu frönen. Inmitten von Rauchschwaden, die jedem Themsenebel zur Ehre gereicht hätten, wurde keine Rücksicht auf nicht rauchenden Außenseiter genommen, sondern einfach hustend weiterdiskutiert. Nur sonst rauchende Moderatoren verzichteten während der Sendung auf den Glimmstengel. Wohl aber nur, damit sie die Hände frei hatten für Mikro und Merkzettel.
Ungefähr ab 1985 und 1986 klang diese Entwicklung ab, der Aufstieg der Grünen und diverse Protestbewegungen ließen in vielen ein erweitertes Gesundheitsbewusstsein entstehen. Diese neue Umsicht gipfelte fast zwanzig Jahre später darin, dass neben verschärften EU-Bestimmungen für verbesserte Lebensmittelqualität, die deutschen Politiker das längst überfällige Antirauchergesetz festzurren konnten. In öffentlichen Gebäuden ist Rauchkonsum nun vollständig untersagt und auch die Gastronomie wird darin sehr stark restringiert. Die Qualmerei darf von nun an lediglich in speziell dafür vorgesehenen Räumen stattfinden. Die andere Option von so genannten Raucherclubs oder vom Gesetz befreiten Mini-Eckkneipen erweist sich übrigens für die meisten Anhänger des blauen Dunstes als eher alternativlos.
Auch die Fernsehsender können sich seit diesem Fortschritt nicht entziehen und entfernen die Kippe vollständig vom Bildschirm. Besucher der Sendung müssen sich zum Rauchen hinaus begeben und Modertoren, Kandidaten, Gäste oder sonstige Mitwirkende müssen in ihrer Bühnenpräsenz unbenebelt auskommen. So ist die Zigarette schließlich aus ganz Fernsehdeutschland verbannt!
Ganz Fernsehdeutschland? Nein, ein kleiner Rollstuhl fahrender unbeugsamer Altpolitiker hört nicht auf dem erfolgreichen Versuch eines wachsenden Gesundheitsbewusstseins Widerstand zu leisten und zeigt sich auch im hohen Alter von 92 Jahren ständig mit Kippe in der “Schmidtschnauze” auf der Mattscheibe.
Helmut Schmidt wirkt im Fernsehen von heute dabei wie ein Fossil aus einer anderen Zeit. Einer bereits ausgestorbenen Art, zu der Lord Lungenkrebs vermutlich selber bald gehören wird, wenn er sich weiterhin so eifrig bemüht Loki auf dem Weg in den HB-Hades noch einzuholen.
Seiner ohnehin schon mächtig ausgeprägten Selbstherrlichkeit verleiht der rücksichtslose Tabakkonsum eine zusätzliche Arroganz. Kaum zu glauben, dass jemand seines finanziellen Standes wirklich nur in einem Reihenhaus wohnt.
Dabei will ihm ja niemand ans Zeug flicken wie viele Stangen er privat in Hamburg-Langenhorn mit Loki mortus ante und seinem Duzfreund Kissinger verquarzt. Aber der Exkanzler fügt sich scheinbar mit wachsender Begeisterung einfach nicht in die gut gemeinte- und mittlerweile schon lange bestehende Rauchverbotanpassung der TV-Usancen und sitzt weiterhin wie Majestät von Marlboro fest auf seinem Rollstuhlthron, dabei mächtig das Zigarettenzepter schwingend. Wie lange er dabei wohl sein Insignium der Unvernunft noch halten wird?
Nun- irgendwann wird er noch mal bei Maischberger oder Beckmann eingeladen werden und in seiner für ihn typisch einsilbigen Selbstgefälligkeit seine Altersweisheiten preisgeben. Wenn dann die Studioklimaanlage es zwischendurch einmal geschafft hat den wabernden Nebel beiseite zu schieben, wird Schmidt verschwunden sein. und übrig bleibt von ihm nur noch ein leerer Rollstuhl.
Fast leer – als Trauerflor mit eigener Note liegt auf der Heizdecke noch die Steuerbanderole der letzten Schachtel.